Mai 06 2009
SchulWEINschreibung
96 Weine, 16 Winzer und nur ein Nachmittag Zeit … Eine Tragödie, deren wahres Ausmaß sich allerdings bald relativiert an Hand der großen Zahl wirklich vielfältiger und komplexer Weine, die Sooß zu bieten hat. Hier stößt man schnell an die Grenzen seiner Auffassungsgabe: Die ortstypischen Rebsorten, Merlot, Pinot Noir und St. Laurent wetteifern um die Gunst des Gaumens mit Weißweinspezialitäten Rotgipfler und Neuburger. Das ganze unter freiem Himmel unterstrichen von geselchten kulinarischen Gustostückerln – EIN TRAUM!
Warum „SchulWEINschreibung“, warum große Verkostung? Wie jetzt? Was jetzt?
Dieser Ereigniskette gilt es kurz aufzurollen: Sooß wurde wiederholt von Niederösterreichtouristen zum „beliebtesten Weinort“ gewählt. Dies nahm man zum Anlass den Garten der örtlichen Volksschule einen Nachmittag lang zur Bühne für eine Weinverkostung der besonderen Art werden zu lassen. Für gerade mal EUR 9,– konnte man das Beste aus den Kellern der Sooßer Winzer probieren.

Foto: © Anton Buchart, www.sooss.at
Hier stehen wir nun also mit unserem Kostglast und lauschen dem eigens engagierten Pianisten. Und weil wir gar nicht so recht wissen, wo anfangen, begehe ich einen großen Fehler und lasse mir einen Schluck Merlot einschenken. Fischer Premium 2006 wenn ich nicht irre. Schön rund, süß, etwas Barrique … aber ich vermisse ein paar Ecken und Kanten, etwas Charakter. Da sich nach einem derart kraftvollen Tropfen ohnehin nur noch wenige Alternativen auftun, mache ich mich eben gleich auf die Suche nach dem besten Merlot am Platz.
Selbigen finde ich bei Martin Schwertführer (Weingut Schwertführer ’47). Kein Wunder – „91 Falstaff Punkte gab‘s für den Merlot Barrique 2006“, erklärt man mir stolz. Preislich kann sich dieser Wein auch sehen lassen: Knapp über 10 Euro ab Hof pro Flasche.
Eine Neuentdeckung stellte für mich das Weingut Sovik dar. Besonders am Cuvée „Der Euler“ hatten wir alle sehr viel Freude. Obwohl man in Sooß und Umgebung wenig reinsortige Cabernet Sauvignon findet, wird diese diese Rebsorte von vielen Winzern angebaut. „Für eine reinsortige Abfüllung werden die Trauben bei unserem Klima leider nicht reif genug“, erklärt mir Juniorchef Markus Sovik, „aber Cuvées bereichert der Unterton von Gras eines nicht ganz ausgereiften Cabernets den Geschmack ungemein.“
Auf dem Sektor Cuvées kommt man in Sooß außerdem nicht am „Gradenthal“ des Weinguts Fischer vorbei. 92 Fallstaffpunkte – Ortsrekord!
Nach einer kleinen Jause bestehend aus Winzerschinken, dem besten Käse, an den ich mich erinnern kann und ein paar gerösteten Kürbiskernen, sind Gaumen und Leber bereit für eine Weißweinrunde.
Bald stellt sich allerdings heraus, dass auf dem Gebiet die Steiermark doch einen Deut mehr zu bieten hat. Aber ein paar gute Tropfen findet man schon: Wieder lande ich bei Sovik-Weinen. Diesmal hat es mir der Muskat Ottonel angetan. Auch einige interessante Neuburger findet man – Ich im Geist immer wieder Vergleiche mit einer Flasche die mir vor Monaten im Indochine 21 kredenzt wurde (K. Alphart). Dies war meine erste Begegnung mit der Rebsorte Neuburger. Nun erstaunt mich die Geschmacksvielfalt die unterschiedliche Winzer diesem Wein entlocken.
Was diese Veranstaltung ausmachte war neben den Weinen aber in erster Linie die Herzlichkeit und Gastfreundschaft mit der den Besuchern begegnet wurde. Gerne und mit Freude wurde ausgeschenkt und erzählt. Somit war für Leib und Seele bestens gesorgt – ein würdiger Auftakt für ein langes 1.-Mai-Wochenende in Sooß im Wein.
Demnach ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, hier ein paar mehr







