Mär 25 2009
Nanu
Ein sonntäglicher Familienausflug verschlägt uns nach Bad Mitterndorf. Im Nanu erwarten den Gast erfrischend andere Gerichte – man bricht aus dem Wirtshaus Einerlei aus und traut sich etwas. Die auf der Website präsentierten Auszüge aus der Speisekarte ließen uns auch auf diese Windn aufmerksam werden. Also Samstag abends schnell ein Tisch reserviert (problemlos) und der sonntägliche Familienausflug führt uns nach Bad Mitterndorf.
Bei der Suche macht es das Nanu dem Ortsunkundigen leider nicht einfach: Auf der Website ist die Adresse mit Hauptstaße 136 angegeben – eine Adresse, die leider kein Navi kennt. Nanu? Wieso das denn? Ganz einfach, in Badmitterndorf gibt es, wie in vielen anderen kleinen Gemeinden auch, keine wirklichen Straßennamen sondern nur Hausnummern.
Macht nichts. Nach kurzer Orientierung finden wir unser Ziel recht schnell. Das Lokal macht bereits von außen einen sehr freundlichen Eindruck und auch der Gastraum präsentiert sich hell, bunt und gemütlich. Passend zu den Gerichten, die wir auf der Karte finden: Gefüllte Hühnerbrust mit Gorgonzolanudeln, Forellensaltimbocca, Steaks, tolle Nudelgerichte, Salate, Tagliatelle mit Filetspitzen etc. Auch die Teller, die an uns vorbeimarschieren verstärken den Eindruck, dass Chef Roland im Kochen mehr sieht als nur einen Job.
Die Vorfreude auf das Essen steigt – trotz der übersichtlich gehaltenen Karte fällt uns die Entscheidung schwer. Dass man uns etwas länger Bedenkzeit lässt, stört an dieser Stelle gar nicht so sehr.
Nach langem hin und her ordern wir schließlich und bereits nach wenigen Minuten kommt auch schon die Vorspeise daher: Eine außergewöhnlich leckere Rindsuppe mit Kaspressknödel und gerösteten Zwiebel bildet den Auftakt. Vielleicht eine Idee Salz weniger und man könnte von einer perfekten Suppe sprechen. Aber auch so hält der positive erste Eindruck an.
Bei der Hauptspeise jedoch verfinstern sich die Aussichten: Die feinen Aromen meiner gefüllten Hühnerbrust können sich am Teller leider überhaupt nicht gegen die käsige Omnipräsenz der Gorgonzolasauce durchsetzen. Schade, denn handwerklich ist an beiden Komponenten des Gerichtes nichts auszusetzen. Vielleicht würde es schon reichen etwas weniger Sauce anzurichten. Auf ähnliche Probleme stößt meine Schwägerin in Spe bei ihren Vollkornnudeln mit Gorgonzola-Spinat-Sauce. Geschmacklich gut, aber auch unglaublich üppig. Der Spinat geht leider gänzlich unter.
Gut, an manchen Kompositionen sollte noch etwas gearbeitet werden. Wirklich schockiert hat uns aber der Kinderteller: Zwei exzellente Fleischlaibchen wurde entweiht durch das mit abstand widerlichste Fertigkartoffelpüree, das ich in meinem Leben je gekostet habe! Ungenießbar!
Ich lege Chef Roland mal diesen Artikel ans Herz: http://www.rollingpin.at/article/articleview/1654/1/206/ (auf Anfrage lasse ich ihm gerne die vollständige Version zukommen).
Wer bei Kinderessen knausert, spart am falschen Ende! Nicht nur sind Kinder die Gäste von morgen, auch die Eltern werden ein Lokal nicht wieder besuchen, in dem es den Kleinen nicht gefallen hat. Dazu kommt, dass Kinder über einen noch viel ausgeprägteren Geschmackssinn verfügen, als Erwachsene und viel sensibler auf schlechte Küche reagieren. Und mal ehrlich: Schnell ein paar Kartoffeln stampfen kommt wahrscheinlich sogar billiger als der Fertigfraß!
Um nicht den gänzlich falschen Eindruck zu erwecken: In Summe speisten wir sehr gut und das Preis/Leistungsverhältnis im Nanu stimmt auch. Der Roastbeefsalat meines Bruder und das dazugehörige Knoblauchbrot beispielsweise suchen ihres gleichen. Ein Gedicht!
In Summe bekommt das Nanu von mir 4 von 7 Böcken. Speziell bei den Kinderessen, aber auch bei so mancher Komposition gilt es noch einiges zu verbessern. Dann kommen wir gerne wieder!
Wertung
4 von 7 Böcken









Hört sich doch alles sehr gut an.
Ich finde es auch immer wichtig, und das macht ein gutes Restaurant aus, dass ein Koch seine Arbeit nicht nur als Job sieht.