Sep 29 2008

Gasthaus Lendplatzl



Verfasst von wb

Das Gasthaus Lendplatzl der Familie Klug präsentiert sich seinen Gästen sehr sehr bodenständig. Im Zentrum von Graz gelegen stellt das beinahe schon eine Kuriosität dar. Die Karte liest sich wie Großmutters Kochbuch (außer dass sie nicht in Kurrent geschrieben wurde) und am Nebentisch wird ausführlich von der letzten Walfahrt nach Mariazell berichtet. Gemütlich, wenn man drauf steht.

Und es erinnert noch mehr an Großmutters Küche: Man nimmt Platz auf hölzernen, ächzenden Eckbänken, der kleine Blumenstrauß in der Vase aus Gmundner Porzellan passt genau zur grün-weiß karierten Tischdecke und die Speisekarte erfüllt alle Erwartungen: Leber, gebacken und geschmort, Schnitzel und Backhenderl fehlen natürlich nicht. Darüber hinaus erstaunt mich das Lendplatzl mit einer guten Auswahl an vegetarischen Alternativen und auch drei Fischgerichte werden angeboten. Dazu gibt’s noch einige kleine Gerichte sowie variantenreiche Toastkreationen.

Zu meiner Freude finde ich ein loses Blatt welches sich als Empfehlungskarte entpuppt. Der Saison gemäß finden sich darauf auch viele Pilzgerichte. Darunter auch Speisen, die man nicht überall bekommt, wie beispielsweise gebackene Steinpilze. Ich entscheide mich aber für eines meiner Leibgerichte, das Schwammerlgulasch. Saisonal passend dazu ein Oktoberbier.

Wie eingangs erwähnt erinnert mich im Lendplatzl alles sehr an die Küche meiner Großmutter – ich vergaß aber zu erwähnen, dass Oma nicht gerade die begnadetste Köchin vor dem Herren war … So fügt sich leider auch das Schwammerlgulasch nahtlos in dieses Muster ein.

Die Küche des Lendplatzl beliefert wohl auch die Geriatrie des LKH Graz, denn aufregend ist das unpassendste Wort um dieses Schwammerlgulasch zu beschreiben. In der lauwarmen Mehlpampe schwimmt ein zerkochter Knödel umringt von ein paar geschmacklosen Eierschwammerl. Da dämmerte mir, warum nur Gabel und Löffel aber kein Messer aufgedeckt wurde.

Positiv fällt auf, dass keine Geschmacksverstärker benützt wurden, leider auch kaum Salz – wenn ich das sage, will das schon was heißen, denn ich pflege selbst einen sehr sparsamen Umgang mit dem weißen Gold.

Zumindest schont auch der Preis die Nerven – und die Geldbörse. Kaum ein Gericht über EUR 10,– findet sich auf der Karte. Dazu kommt eine sehr freundliche und flotte Bedienung. Das Wienerschnitzel meines Co-Autors Schu schien zumindest ganz ansehnlich und laut seiner Aussage auch durchaus genießbar. Deshalb will ich den kulinarischen Ausrutscher beim Gulasch auch nicht so dramatisch bewerten und vergebe 4 von 7 Böcken. 

Nicht zuletzt weil mich das Lendplatzl doch sehr an Oma erinnert … und Oma ist schließlich dafür verantwortlich, dass aus mir ein ganz passabler Hobbykoch wurde (Stichwort: Selbsterhaltungstrieb).

UPDATE 12. 11. 2008: Nach Rücksprache mit meinen Co-Autoren assy und schu sowie anderen, die diese Windn bereits besucht haben, muss ich meine Wertung nach unten korrigieren. Das Lendplatzl verdient nicht mehr als 2 von 7 Böcken. Wir würden anderen Lokalen mit der selben Wertung sonst Unrecht tun.

Kennen Sie auch eine tolle Windn und finden es eine Frechheit, dass dieses Lokal von uns noch nicht unter die Lupe genommen wurde? Na dann …
nicht meckern, vorschlagen!

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Wertung

2 von 7 Böcken

3 Antworten to “Gasthaus Lendplatzl”

  1. assyon 21 Dez 2008 at 13:02:52

    naja, das Haar im Gulasch erinnerte mich eher an Großmutters Enkerl Franz: dunkel und grob =)

    übrigens: dein Knödel schwamm? Du Glücklicher! Meiner setzte sich fest wie ein Fels in der Brandung.

  2. Barbaraon 04 Jan 2009 at 17:57:39

    “Da dämmerte mir, warum nur Gabel und Löffel aber kein Messer aufgedeckt wurde.”

    Naja, aber bei einem (Schwammerl-)Gulasch braucht man auch kein Messer. Ein Knödel wird NIEMALS geschnitten, sondern nur mit der Gabel zerteilt. :-)

  3. Nicoleon 28 Sep 2009 at 13:15:04

    Also ich muss sagen, ich war schon ein paar mal im Lendplatzl, hab mich schon durch den vegetarischen Teil der Speisekarte gefuttert und hätte noch nie einen Grund zur Beschwerde gehabt…

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