Mär 12 2009

Indochine 21



Verfasst von wb

Einen Traum von Vietnam ersannen Klaus Piber und Winni Brugger und machten ihn im Indochine erlebbar – für all jene, die sich darauf einlassen und mit den vorherrschenden Aromen der Küche Vietnams, Laos und Kambodschas umzugehen wissen. Das koloniale Indochina wird nach Wien transportiert und kulinarisch an das 21. Jahrhundert angepasst, soviel verrät dem Aufmerksamen bereits der Name der Windn. Diese Küche und Atmosphäre zu erleben, lässt sich allerdings nur schwer durch das Lesen einer Restaurantkritik ersetzen. Deshalb: unbedingt selber hinschauen!

Nein, nein, so schnell kommt ihr mir nicht davon. Natürlich folgt eine ausführliche Schilderung der Ereignisse des 7.3.2009 zwischen 19.00 und 22.00 Uhr. Aber ich spreche hiermit eine Spoiler-Warnung aus: Wer weiterliest verdirbt sich vielleicht die Überraschung ;)

Wie schon in einer vorangegangenen Kritik erwähnt: „Wenn schon Wean, dann g’scheit“. Für mich bedeutet das nicht nur Wiener & Gulasch sondern zumindest ein kulinarisches Highlight der gehobenen Klasse. Aber bitte nicht zu steif – lecker und locker, so stelle ich mir einen gelungenen Abend vor.

Der Verdacht meinen Präferenzen gemäß die Restaurantwahl getroffen zu haben, erhärtete sich beim betreten der Windn: Die warme, einladende Atmosphäre, erzeugt durch gezielt gesetztes Licht, dunkles holz und viel Rot, bildet einen willkommenen Kontrast zum an diesem Wochenende leider eiskalten, windigen Wien der Außenwelt. Der Umgangston passt zum Ambiente: freundlich, locker aber sehr zuvorkommend und professionell.

Nach einem Aperitif geht’s ans Eingemachte (nur im übertragenen Sinne …). Die Speisenfolge legen wir vertrauensvoll in die Hände der Küche – lediglich Weichkrabben wünschen wir uns konkret.

Telepathie … Als Gruß aus der Küche folgt wenige Minuten später ein Maki von der Soft Shell Crab. Herrlich aromatisch – jede einzelne Zutat entfaltet sich am Gaumen. Der erste Gang gibt die Linie vor: Die Winni Bruggers Interpretation eines Sashimi vom Lachs wird begleitet von einer Sauce von grünem Tee, etwas Wasabi, eingelegtem Ingwer und etwas Rotem in der rechten unteren Ecke des Tellers. Wer scharfem Essen nichts abgewinnen kann, sollte das Indochine meiden … Wir beginnen zu experimentieren: Erst Lachs pur. Dann etwas Grünteesauce … wow – brennt schon ganz ordentlich. Was solls, Wasabi dazu! Und was war noch mal das Rote in der Ecke? Die Kombination aller auf dem Teller verfügbaren „Scharfmacher“ mit dem Lachs führt zu augenblicklichem, intensiven Brusthaarwuchs.

Aber selbst diese Capsaicin-Granate verraucht relativ schnell – hinuntergespült von der ausgezeichneten Weinbegleitung, die auch Glasweise gereicht wird.

Es folgt eine scharfe Wan Tan Suppe mit Herbstpilzen. Köche sind Sadisten – besonders die vietnamesischen, denn es erscheint mir unmenschlich etwas derart köstliches zuzubereiten, dass dem Genießer gleichzeitig solche Qualen bereitet. Zum Glück wird Brot zur Suppe gereicht.

Unser persönliches Highlight an diesem Abend stellt der folgende Gang dar: Die erbetenen Weichkrabben mit Kräutern und Erdnussdip. An der Küche des Indochine 21 begeistert mich, wie einfachste Gerichte eine derartige Geschmacksexplosion hervorrufen können. Ein Stück gebackene Weichkrabbe eingehüllt in ein frisches Basilikumblatt und etwas Erdnussdip verleiten uns zu orgasmischen Genusslauten. Im selben Moment verblassen die Erinnerungen an meine erste Weichkrabbe bei Christian Übeleis wo sie die Krönung eines ungeheuer komplizierten Gerichtes mit gut und gerne 15 Nebendarstellern bildete … wozu?

Mich verblüfft der nächste Gang – allerdings erstmal nicht sehr positiv: Gebackene Garnelen mit dreierlei Dip??? Spätestens bei der Limettensauce vergesse ich aber, dass wir eben bereits beinahe das selbe hatten … Nur schwer kann widerstehen das Schälchen mit dem Dip auszuschlecken. Obwohl man es mir wahrscheinlich nicht mal übel genommen hätte. Wie gesagt, im Indochine 21 geht’s recht locker zu. An allen Tischen wird herzhaft gescherzt, der Altersdurchschnitt des Publikums dürfte sich bei um die 28 bewegen und der zuvorkommende Service weiß mit den Scherzen betrunkener Gäste in Partylaune (wie uns) umzugehen.

Es folgt ein Fleischgang: Hauchdünn geschnittenes Rinderfilet auf einer Art asiatischem Sprossengemüse. Leider habe ich mich mit diesem kulinarischen Kunstwerk nicht intensiv auseinandergesetzt, denn die Entdeckung eines großen Stückes Metall, das ich bereits beim zweiten Bissen beinahe verspeist hätte, ließ mich innehalten. Eisen im Essen ist ja wichtig, aber man kann’s auch überteiben.

Das Servicepersonal teilt meine Meinung dahingehend und man versucht mich zu bestechen: mit Süßem und Alkohol. Wir genießen zum Abschluss also eine exorbitante Nachspeisenplatte und dazu hausgemachtes Eis (Mocca, Vanille, Basilikum und eine undefinierbare Sorte). Besonders erwähnenswert: karamelisierter Bananpudding! Diese Nachspeise wird in den Doppelbock-Olymp der Desserts erhoben … oder welche Form von Himmel in Indochina auch immer üblich sein mag.

Als besonderes Zuckerl (und Teil der Wiedergutmachung) gab’s auch noch das Rezept dazu. Natürlich darf ich selbiges meiner treuen Leserschaft nicht vorenthalten: Hier gehts zum Rezept.

Im Zuge meiner Recherchen für diesen Artikel stieß ich im Netz über etliche negative Kritiken betreffend Preis und Einfachheit der Gerichte. Nun gut, den Hauptstadtzuschlag zahlt man im Indochine 21 definitiv. Wer diese Art der asiatischen Küche, die vielen Aromen die bereits die jeweiligen Zutaten mitbringen, die raffinierten und oft intensive Schärfe oder das schönen Spiel von Süße und frischer Säure wirklich liebt und versteht, wird mir zustimmen, dass hier oft einfache, aber perfekte Zubereitungen die beste Wahl sind.

Dazu kommt, dass das Indochine 21 über das wohlriechendste Klo der Hauptstadt verfügt. Würde es einen Doppelbock Award für das bezaubernste Scheißhaus geben, diese Windn hätte ihn verdient!

Auf Grund der Eisen-Episode und der Tatsache, dass das Indochine 21 in dieser Preisklasse bis dato im Bock alleine dasteht, gebe ich nicht die volle Bockzahl. 6 von 7, aber einen Platz auf unserer Empfehlungsliste gibt’s allemal!

www.indochine.at

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Wertung

6 von 7 Böcken

Eine Antwort to “Indochine 21”

  1. wbon 16 Mär 2009 at 21:43:50

    Ich bin enttäuscht … GN war hier und hat nicht kommentiert :(

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