Jan 19 2009

Hubinger - Vital Pension, Restaurant



Verfasst von wb

Und wieder findet sich ein kulinarisches Kleinod abseits von Großstadt und Autobahn. Irgendwo hinter Thörl, das wiederum irgendwo zwischen Gebirgen einige Kilometer abseits von Kapfenberg liegt, findet der kundige und winterfeste Autofahrer das Dörfchen Etmissl und mittendrin ein ausgezeichnetes Gasthaus – den Hubinger!

Wie man sich anhand der knappen Wegbeschreibung denken kann, stolpert man kaum zufällig über dieses Restaurant. Ich wurde Anfang Dezember zu einem 8-Gängigen Gala-Menü dorthin eingeladen. An dieser Stelle gilt mein herzlicher Dank Reinhold Forobosko. Danke für das wunderbare Futter und auch für den tollen Lokaltipp!

Da man anhand eines solchen Anlasses aber kaum die alltägliche Leistung eines Restaurants bewerten kann (und weil die Schokotarte, die den Abschluss dieses Menüs gestaltete einen unheiligen Bann auf meine Seele gelegt hat) sah ich mich gezwungen den Hubinger kürzlich erneut zu besuchen.

Zu dritt fielen wir also in die rustikale Gaststube ein, wurden sofort herzlich begrüßt und zu unserem schön gedeckten Tisch geleitet. Das Thema des Hubinger setzt sich in der Speisekarte fort: Klassische österreichische Wirtshausküche bildet das Grundgerüst auf dem die eine oder andere raffinierte Interpretation aufbaut. Alles in allem sehr übersichtlich – für jemandem, der mit gebackenen Fleck oder Beuscherl wenig anfangen kann, mag die Karte vielleicht sogar etwas zu wenig Auswahl bieten.

Wir fanden aber recht schnell Gerichte, die den Speichelfluss schon beim Lesen anregen. Wir entschieden uns für ein Carpaccio vom Reh bzw. Steirischen Backhenderlsalat. Beide Gerichte präsentierten sich exzellent zubereitet und punkteten vor allem durch das Dressing – wunderbar rund abgeschmeckt und dezent genug um den eigentlichen Hauptkomponenten der Gerichte noch Raum zu lassen. Beim Carpaccio möchte ich noch besonders auf die eingelegten Walnüsse hinweisen. Lecker!

Frisches Brot dazu hätte ich mir allerdings schon erwartet … Beim Schwarzbrot konnte ich’s ja verschmerzen, aber backfrisches Weißbrot sollte eigentlich zum Standard gehören.

Die anschließende Linsensuppe tröstete allerdings über das Manko Brot hinweg. Man sollte es kaum glauben, dass so etwas banales wie eine Linsensuppe gestandenen Männern die Tränen in die Augen treibt - Tränen der Rührung! Es folgte als Hauptspeise Rehnüsschen mit Walnusskruste in Preiselbeersauce mit Schupfnudeln und Gemüse. Perfekt gegart und abgeschmeckt – lediglich die Kruste weichte leider sehr schnell auf und war nicht wirklich knusprig. Auch die Forelle aus den hiesigen Gewässern war auf den Punkt gegart und verleitete sogar mich, der ich mich nicht unbedingt als Fisch Fan betrachte, zum ausgiebigen Kosten. 


Es folgte der absolute Höhepunkt des Menüs: Die Schokotart an Mandarinensorbet. Nur selten gelingt es einem Koch ein Gericht zuzubereiten, dessen reine Erinnerung einem Gast noch Tage nach dem Genuss ein seeliges Lächeln ins Gesicht zaubert. Die Schokotart vom Hubinger ist eines dieser Gerichte. Sie bildete bereits den Abschluss des eingangs erwähnten 8-Gängigen Galamenüs und hat auch uns aufs Neue begeistert. 

Schöne Weine gibt’s beim Hubinger ebenfalls in angemessener Menge. Auch die Auswahl an offenen Weinen überrascht positiv. Wir genossen einen unglaublich fruchtigen St. Laurent aus der Thermenregion für gerade mal 2,70 Euro das Achterl. 

Auch das Personal überzeugte mit Freundlichkeit und flinkem, einwandfreien Service.
Positiv für meine Begleitung: Beim Hubinger darf noch geraucht werden! 

Eine Warnung möchte ich zum Schluss aber noch aussprechen: Die Küche des Hubinger macht süchtig! Viele der Gerichte, die ich dort genossen habe, gehörten zu den absoluten kulinarischen Höhepunkten meines Lebens. Obwohl ich gerade erst dort war, würde ich am liebsten schon morgen wieder beim Hubinger vorbei schauen, denn die Erinnerung an die Köstlichkeiten aus Etmissl haben sich tief in meine Geschmacksnerven eingebrannt!

So kommt es mir sehr gelegen, dass drei Leute dort inkl. Getränke für EUR 120,– locker 4 Gänge essen konnten. Der Hubinger ist also leistbar ;)

Die Wertung fällt klar aus: 7 Böcke für eines meiner neuen Lieblingsrestaurants!

www.hubinger.com

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Wertung

7 von 7 Böcken

5 Antworten to “Hubinger - Vital Pension, Restaurant”

  1. cbon 21 Jan 2009 at 10:35:49

    noch nie habe ich so herzlich bei einer einer Kritik von dir gelacht :-)

    du hast einfach den Nagel auf den Kopf getroffen!

    Eines möchte ich jedoch noch hinzufügen:
    Die mit Scheinwerferlich beleuchtete Ruine in Tör sollte bei dichtem Schneefall im Winter gemieden werden. Außer man hat keine Angst vor Alpträumen aus Mittelerde!

  2. wbon 21 Jan 2009 at 20:52:34

    Das Kaff nennt sich übrigens Törl, nicht Tör …

  3. GNon 24 Jan 2009 at 09:28:11

    Wenn schon denn schon: Der Ort heißt THÖRL und der andere nicht Karpfen- sondern KAPFENBERG.

    Zu Hubinger: War vor 10 Jahren wirklich in weitem Umkreis das beste Lokal; hat sich allerdings kaum weiterentwickelt. Hatte mal zwei Hauben- mittlerweile spärliche 13 Punkte- ein “gerade noch Hauberl.”
    Ohne Forobosko wahrscheinlich nicht einmal mehr das…

  4. wbon 24 Jan 2009 at 10:34:42

    Danke für die Korrektur … peinlicher Fehler. Sorry.

  5. Berlineron 03 Jul 2009 at 18:20:31

    Naja, Karpfenberg/Kapfenberg und Thörl/Törl… da es ja nicht gerade Metropolen sind halte ich das durchaus für verzeihbar :-)

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