Mai 07 2009
Habanero
Mal zum Mexikaner – das klingt nach einer willkommenen Abwechslung und so ließ ich mich von meinem Bruder und doppelbock.at Co-Tester schnell dazu überreden das Habanero in Schlierbach, OÖ heimzusuchen. Wer dann aber schlussendlich von wem bzw. was heimgesucht wurde, darüber bin ich mir bis heute nicht im Klaren. Irgendwo zwischen käsigen Absurditäten und Fritteusenexzessen wurde mir klar, dass mir das Verständnis für diese Art von Küche leider völlig abhanden gekommen ist.
Es wirkt ja alles ganz harmlos – liebevoll gestaltetes Interieur erzeugt einen hohen Wohlfühlfaktor. Wir werden freundlich bedient und die Weinkarte überrascht mich sofort äußerst positiv. Flaschenweise hält man eine gute Auswahl aus allen bedeutenden Weinbauregionen Österreichs bereit und auch bei den offenen Weinen sollte zumindest jeder etwas finden, das gefällt.
Die Speisekarte schickt den Gast auf Entdeckungsreise: Nicht nur linguistisch (die meisten Gerichte konnte ich nicht aussprechen) – der verworrene Aufbau der Karte macht eine Orientierung äußerst mühsam. Wir bestellen daher einfach den gemischten Vorspeisenteller für zwei Personen.
Was wir bekommen nenne ich des mexikanischen Flairs wegen mal die „Fiesta Frosta Platta“. Alles was Iglo und Co. an TK-Mexiko-Snacks im Sortiment hat, wurde uns liebevoll in der Fritteuse herausgebacken.
Bei der Hauptspeise halte ich mich an Altbekanntes und ordere Burritos mit Straußenfleisch. Den letzten großen Laufvogel verzehrte ich vor einigen Jahren – somit war es an der Zeit, dieses Geschmackserlebnis aufzufrischen. Das Gericht meines Co-Testers nannte sich „Jumbo Chimichanga“; technisch gesehen ein ähnliches Rezept, nur wurde hierbei die Maisteigpalatschinke nicht überbacken sondern frittiert. Das Ergebnis erinnert an eine überdimensionale Frühlingsrolle und ich ertappe mich bei dem Gedanken ob sich dieser braune Zylinder wohl im menschlichen Verdauungstrakt wieder zu einer ähnlichen Form zusammensetzt bevor er den Körper verlässt …
Über den Geschmack viele Worte zu verlieren, wäre wohl unsinnig. Jeder kann sich vorstellen, wie Unmengen an geschmolzenem Käse, gebratenes Fleisch, Tomatensauce und Teigfladen schmecken. Ein richtiges Fressen eben, kein filigran kombiniertes Gericht das mehr einem Kunstwerk als einem Nahrungsmittel gleicht sondern ehrliche Schlemmerei. Wer gerne Nahrungsmittel in sich hineinstopft bis zur Nahtoderfahrung ist hier richtig!
Leider bestraft mich mein Magen für die ungewohnt hohe Menge an Milchfetten mit einem beinahe schon schmerzhaften Völlegefühl. Ich passe also bei der Nachspeise – koste allerdings die in Kokosmilch und Zimthonig marinierte Ananas meines Bruders. Oft sind es die simplen Gerichte, deren Geschmack am meisten fesselt. Dieses gehört definitiv dazu.
Die Genusskurve fällt allerdings nach diesem Zenit schnell wieder ab. Die Rechnung verspricht keine Erleichterung für meinen angeschlagenen Magen: Für Junkfood zahlt man hier auf den Euro genau so viel wie am Vorabend im Steirer (Graz) für ein ähnlich umfangreiches Menü auf Haubenniveau!!!
Das Habanero in Schlierbach bekommt von mir leider nur drei Böcke und alle übrigen mexikanischen Restaurants brauchen eine Zeit lang keinen Besuch vom doppelbock.at Team zu fürchten. Mir reicht’s.
Wertung
3 von 7 Böcken









ein unvergesslicher abend von dem meine eingeweide noch immer zittern