Dez 09 2008

Gasthaus Nährer



Verfasst von wb

20 min von mit dem Auto von St. Pölten und man hat ein Niederösterreichisches Juwel des Genusses aufgespürt. Im kleinen Landgasthaus Nährer kocht der Junior Chef Michi am uralten Herd. Er war lange Zeit Souschef im wohl bekannten und mehrfach ausgezeichneten Landhaus Bacher und schaute auch Großmeistern wie Petz, Eselböck und sogar Molekular-Kapazunder Ferran Adrià über die Schulter und in die Töpfe. Selbst bewies er sein Können als er sich 2006 den Titel “junger wilder” erkochte – eine Auszeichnung die in der Welt der Gastronomie zählt wie kaum eine andere und nebst handwerklichen Qualitäten auch Kreativität und den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand voraussetzt.

Eines gleich vorweg: Für das Gasthaus Nährer sollte im Doppelbock eine eigene Wertung eingeführt werden, denn 7 Böcke reichen nicht aus. Wer im Traisental unterwegs ist, dem seien zwei Dinge wärmstens empfohlen: Man koste die Weine und man koste die Küche des Gasthaus Nährer. Möglichst in umgekehrter Reihenfolge oder auf einmal! 

Wer die Wirtsstube betritt, ahnt nichts von dem, was nebenan in den Töpfen brodelt, denn das Gasthaus Nährer spart sich den oft übertriebenen Stil so mancher urbaner Gourmettempel. Eigentlich betritt man ein gemütliches Bauerngasthaus, wie es sie in jeder kleinen Gemeinde, die etwas auf sich hält, gibt. 

Wohl weißlich meldete ich unser kommen jedoch eine Wocher vorher an und bat Michi Nährer uns ein schönes Menü zusammenzustellen. Ich erinnere mich noch an meine Worte: “Vier Gänge oder so … und darfst dich ruhig austoben!”. Beim Teufel, er hat’s wörtlich genommen …

Der Gruß aus der Küche gab die Marschrichtung vor: Eine herrliche Rote Rüben Suppe mit Kren – serviert im Einmachglas mit Croutons. Es folgte Aufschnitt vom Lamm mit einer raffinierten Senfmarinade und Winterrettich. Mein persönlicher Vorspeisenfavorit. Dann bewies Michi auch, dass hier ein Meister der traditionellen Wirtshausküche wirkt und schickte gebackenen Kalbskopf auf Kartoffelsalt.

Ich danke dir persönlich herzlich für diesen Gang. Am Vorabend hatten wir nämlich die Vinothek von Langenlois besucht und waren dementsprechend bis es etwas paniertes mit Salat gab, nicht ganz fit. So kamen wir allerdings in den Genuss der köstlichen Fruchtsäfte, die der Keller des Gasthaus Nährer bereithält – denn Grüner Veltliner & Co. wollten so gar nicht schmeckten … 

Spätestens ab dem gebratenen Beiried auf Kohlgemüse mit Nüssen wurden wir von unseren Tischnachbarn mit gierigen Blicken bedacht. Zu Recht, denn der nächste Gang rangiert unter den 5 besten Gerichten, die ich je kosten durfte: Knusprige Entenbrust auf Grießkoch mit Mohn und scharfem Marillenchuttney. Diese gewagte Kombination, nochdazu perfekt zubereitet, bleibt mir sicher noch sehr lange in Erinnerung. Dass die Nachspeise das Menü dann noch krönen würde, konnte wohl niemand ahnen, doch der Mandelkuchen auf Dörrobstsauce mit einer Haube aus Pistazienschaum stellte alles in den Schatten. Da wäre der geeiste Marillenpunsch mit etwas molekularem “Knisterpulver”, den es dazu noch gab, gar nicht mehr nötig gewesen … aber höchst willkommen ;) (Siehe Bild - Foto: Christoph G. Böhm)

Tipp: Wer beim Nährer ländliche Genüsse erfahren will, sollte unbedingt früh genug reservieren! Der Geheimtipp ist wohl doch schon etwas bekannter geworden.

Die Rechnung barg die nächste höchst angenehme Überraschung. Knapp 35 Euro pro Person wurden für doch in Summe 5 Gänge verrechnet bei einer Portionsgröße deutlich über Degustationslevel. Mit Getränken (zwar kein Wein, dafür um so mehr Saft) wurden so drei Personen für gerade mal 115 Euro (exkl. Trinkgeld) mehr als satt. Daran sollte sich so mancher möchte gern Paul Bocuse ein Beispiel nehmen!

Meine Wertung kann nur Lauten: 7 Böcke – egentlich müssten es mehr sein, aber besser als perfekt geht ja leider nicht.

www.herzogenburg.at/gastronomie/gasthaus_naehrer.htm

Doppelbock teilen:
  • Digg
  • del.icio.us
  • Google
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!
  • StumbleUpon
  • Technorati

Wertung

7 von 7 Böcken

8 Antworten to “Gasthaus Nährer”

  1. cbon 16 Dez 2008 at 11:22:00

    das Foto der genialen Nachspeise fehlt ;-)

  2. wbon 16 Dez 2008 at 22:36:15

    Danke! Wurde nachgereicht.

  3. GNon 17 Dez 2008 at 11:23:56

    7 Böcke – egentlich müssten es mehr sein– da frag ich mich nur was es dann fürr Lokale wie Hanner, Steirereck, Obauer und Eselböck geben sollte? 14?

  4. GNon 17 Dez 2008 at 11:41:16

    Nochmals was: auch da müsste um zwei Bock nach unten korrigiert werden…..

  5. schuon 17 Dez 2008 at 12:18:26

    @GN: ich finde, du solltest näher ausführen, warum um 2 böcke nach unten korrigiert werden sollte…

  6. wbon 17 Dez 2008 at 20:17:33

    Verstehe die Meinung durchaus und kann sie auch nachvollziehen. Nur Doppelbock ist nicht Gault Millau und Lokale wie Steirereck, Obauer, Eselböck, Hangar7 etc. bewerten wir hier nicht. Dafür gibt’s genug andere Websites und Institutionen. Dass Michi Nährer nicht Dieter Müller ist, steht außer Frage, aber ich sehe das hier in Relation zu meinen anderen Bewertungen.

    Irgendwo hier auf der Website gibt es einen Punkt “Bewertungssystem”. Dort werden die Kriterien ein wenig erläutert.

    Aber eine Wahrheit erkenne ich in GNs Kritik meiner Punktvergabe: Seit Beginn des Doppelbock haben sich die Ansprüche verändert und die Qualitätsspanne der Lokale erstreckt sich weiter. Für den Relaunch als Portal sollten wir uns vielleicht ein anderes Punktesystem überlegen (haben wir sogar soweit ich mich erinnere rudimentär). Was der Falstaff Gourmetclub da macht, finde ich interessant …

  7. Settele Manfredon 06 Aug 2009 at 12:16:26

    Schon längere Zeit hörte ich von einem Gasthaus, ganz in Nähe meines Heimatortes Böheimkirchen, wo es ganz famos zu essen sein soll. Da es etwas zu feiern gab war es ein willkommener Anlaß diese positive Empfehlung einmal genauer in Augenschein zu nehmen. Ich bat den Junior Chef um ein 5-Gang-Menü mit etwas ausgefallener Speisenwahl und war sehr gespannt auf das Ergebnis!
    Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Jeder Gang war eine wahre Freude! Sehr liebevoll angerichtet (einfach eine Augenweide - ich liebe es wenn Speisen in dieser Art aufgetragen werden), gewagte Geschmackskomposition, aber begeisternd harmonisch kombiniert, die Größe der Portionen und die Zeitdauer zwischen den Gängen war absolut perfekt, unsere kleine Gruppe war hin- und hergerissen und es war wahrlich Genuß pur! Die Weinauswahl war vorzüglichst getroffen und rundete dieses wunderbare kulinarische Feuerwerk bestens ab!
    GROSSES EXTRAPLUS: trotz großer Verspätung eines Gastes, war es kein Problem die ganze Menueserie noch einmal separat kredenzt zu bekommen!
    Kleines Minus: Die Musikauswahl ist zwar immer Geschmackssache, aber für Gourmets eher “ungünstig” (formulieren wir es einmal so).
    Gerne hätten wir auch den Küchenchef persönlich gelobt, beglückwünscht und unsere große Zufriedenheit zum Ausdruck gebracht…… vielleicht klappt`s beim nächsten Mal, und diese nächste Mal ist auf alle Fälle bald!!

    Alles in Allem: großartiges Lokal für Freunde des guten Essens, hervorragende Weine in bodenständigem Ambiente - ein klares must und für alle die einmal was anderes wollen! Ich kann es WÄRMSTENS und HERZLICHST empfehlen!

  8. wbon 07 Aug 2009 at 01:15:47

    Danke für deinen tollen, ausführlichen Kommentar!

Trackback URI | Comments RSS

Antwort hinterlassen


Comments links could be nofollow free.